Smart-Glasses, also Brillen, die unter anderem über Kamera- und Mikrofon-Funktion verfügen, finden mehr und mehr Verbreitung im Alltag. Mit der Technologie entstehen einige Probleme für deine Privatsphäre, denn die Brillen erlauben ein fast unbemerktes Aufzeichnen im öffentlichen Raum, ohne dass die gefilmten Personen etwas davon mitbekommen. Diese potenziellen Verletzungen von Privatsphäre hat die Menschenrechtsorganisation HateAid nun zum Anlass genommen, Strafanzeige gegen die Marktführer Meta und Ray-Ban zu stellen.
Das Problem: Filmt eine Smart-Brille dich gerade, dann ist dies lediglich durch eine leuchtende LED am Brillenrand zu erkennen – bei hellem Sonnenlicht schwer sichtbar und bei Manipulation der Brille gar nicht mehr erkennbar. Anders, als wenn jemand dich mit einem Handy filmt, wo du zumindest ein Gerät in der Hand einer Person auf dich gerichtet siehst, ist in der Masse aus Sonnenbrillenträgern eine aktivierte Smart-Brille kaum wahrnehmbar. Die Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok und Co. sind somit voll von Videos, auf denen Frauen und Mädchen in Alltagssituationen unbeobachtet gefilmt wurden, oftmals versehen mit abwertenden oder sexistischen Kommentaren.
Besondern in Schwimmbädern entstehen so problematische Aufnahmen, da die Betroffenen nur leicht bekleidet sind. Erste Schwimmbäder prüfen daher Verbote zum Tragen solcher Brillen, in Potsdam wird ein solches Verbot nun für alle Schwimmbäder und Saunen verhängt. Auch der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz, Thomas Fuchs, hält ein Verbot der Brillen für denkbar. Seine Behörde geht gegen entsprechende Beschwerden vor.
Mit der Klage möchte HateAid unter anderem bewirken, dass Smart-Glasses sich zukünftig schon im Design besser von normalen Brillen unterscheiden sollen, um sofort erkannt zu werden.
Wirst du heimlich mit einer Smart-Brille gefilmt, hast du das Recht, dass die Aufnahmen sofort gelöscht werden. Wenn du dich in einem öffentlichen Raum, einem Schwimmbad oder einem Geschäft befindest und den Filmenden nicht selbst ansprechen möchtest, kannst du Schwimmbadpersonal oder auch Verkäufer ansprechen, die das für dich machen. Auch das Einschalten der Polizei ist in einem solchen Fall in Ordnung.
Mehr:
- hateaid.org: Wir haben Meta für dich angezeigt
- heise.de: KI-Brillen: Strafanzeige gegen Meta, Ray-Ban und Optiker
- zeit.de: HateAid stellt Strafanzeige gegen Meta wegen KI-Brillen
- datenschutz-hamburg.de: Endet die Privatsphäre im öffentlichen Raum?
- swr.de: Hamburger Datenschutzbeauftragter hält vollständiges Verbot von Meta Glasses für möglich
- rbb24.de: Potsdam verbietet smarte Brillen mit Kameras in Schwimmbädern und Saunen
