Todesfall während eines Livestreams

Eine Streamingstudio mit einem Live-Button
Bearbeitet mit canva.com

Während eines Livestreams auf der Streaming Plattform Kick verstarb am 18.08.2025 der 46-jährige Rapheäl Graven alias Jean Pormanove. Er und drei weitere Streamingkollegen waren zu diesem Zeitpunkt für fast 300 Stunden ununterbrochen am Livestreamen.

Sie spielten zum Großteil Videospiele. Wenn sie in diesen versagten, wurden sie zur Belustigung der Zuschauenden wiederholt geschlagen und vor der Kamera gedemütigt. Mit dieser extremen Art der Content-Kreation, die auf Jean Pormanoves Kanal bereits seit mehreren Monaten gezeigt wurde, waren er und seine Kollegen beim Publikum sehr bekannt.

Nachdem der Livestream-Chat die Streamer darauf aufmerksam machte, dass Jean Pormanove seit längerer Zeit regungslos da liegt, begriffen die anderen Streamer zuerst den Ernst der Lage und schalteten den Livestream daraufhin ab. Die Staatsanwaltschaft geht nach einer ersten Obduktion von einer medizinischen Todesursache aus. Die Gewalteinwirkung durch Dritte kann somit als Todesursache ausgeschlossen werden. 

Sein Tod sorgte in den Medien für großes Entsetzen und viele offene Fragen. Die französische Regierung zeigte sich bestürzt und kritisierte die australische Streamingplattform Kick scharf. Sie bemängelt kein rechtzeitiges Eingreifen der Plattform. Nun ermittelt die französische Staatsanwaltschaft weiter. Auch Pormanoves Streamingkollegen stehen stark in der Kritik. Einerseits sehen viele die Art dieser Content-Produktion als fraglich an. Andererseits bleibt die Frage der Absprachen zwischen den Streamern bezüglich der Strafen untereinander ungeklärt. Diese beteuern gegenüber Fernsehsendern allerdings ihre Unschuld und weisen darauf hin, dass alles einvernehmlich erfolgte. Denn Jean Pormanove beschwerte sich mehrfach während des Streams und äußerte eindeutig, dass er gehen wolle. Die Frage bleibt damit offen, was davon zur „Show“ gehörte und was wiederum vielleicht auch ein echtes Unwohlsein war.

Warum ist eigentlich Content, in dem jemand geschlagen wird, überhaupt so poplär? Wir alle sollten mehr hinterfragen, ob die Inhalte, die wir konsumieren, unseren Werten entsprechen. Denn wir als Konsumenten haben einen starken Einfluss darauf, was in den Medien erfolgreich wird. Falls du auf Content stößt, der gewaltverherrlichend ist oder Mobbing unterstützt, zögere nicht diesen zu boykottieren oder bei der Streaming- oder Social Media-Plattform zu melden.

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