Datenschutz around the world

Landkarte mit Schreibmaschine und Fotoapparat
Amanda Bartel auf Unsplash

Sommerzeit ist Reisezeit. Wenn Du Grenzen überquerst, reisen Deine Daten wie selbstverständlich mit. Aber welchen Stellenwert hat der Datenschutz in anderen Ländern? Wir machen eine kurze virtuelle Reise um die Welt und schauen uns Unterschiede und Gemeinsamkeiten an.

Die direkten Nachbarn

In der EU schützt Dich die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO). Die bietet die weltweit strengsten Standards und Rechte: Du kannst Auskunft verlangen,  Daten löschen lassen und der Datennutzung widersprechen. Machst Du also Urlaub in Frankreich, Spanien, Italien oder Kroatien, musst Du dir wenig Sorgen machen. 

Aber was ist mit unseren europäischen Nachbarn, die nicht Mitglied in der EU sind? Für Großbritannien und die Schweiz stuft die EU das Schutzniveau als „im Wesentlichen gleichwertig“ ein. Also: auch hier keine Sorge!

Besonderheiten der Türkei

Auch die Türkei hat ein eigenes Datenschutzgesetz, das 2024 sogar in Teilen an die DS-GVO angeglichen wurde. Im KVKK, den Standardverträgen der Türkischen Datenschutzaufsichtsbehörde) findest Du ebenfalls Rechte wie Einwilligung, Auskunft und Löschung. Doch anders als bei UK und Schweiz sieht die EU das Gesetz nicht als gleichwertig an.

Dir sollte auch klar sein, dass der türkische Staat auf Daten zugreift, wenn er das für nötig hält. Die Anbieter müssen ihre Daten im Land selbst speichern und auf staatliche Anfrage herausrücken. Immer wieder werden Plattformen auch komplett gesperrt. Auch sonst sind Daten in der Türkei nicht immer sicher: 2023 standen Ausweis- und Telefonnummern von Millionen Türk:innen frei im Netz. Vermutlich stammten sie aus dem staatlichen Behördenportal – doch die Behörden äußerten sich nie dazu.

Der wilde Westen

Generell gilt für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Die USA haben kein umfassendes Bundesdatenschutzgesetz, sondern einen Flickenteppich aus Gesetzen in den Einzelstaaten.

Seit Trumps zweiter Amtszeit wird bei der Einreise zudem genauer hingeschaut. Als Tourist:in benötigst Du kein Visum, sondern eine ESTA-Genehmigung (Electronic System for Travel Authorization). Im Antrag kannst Du aktuell Deine Social-Media-Accounts angeben – musst Du aber nicht. Diese Regelung könnte allerdings schon dieses Jahr verschärft werden. Und bereits heute gibt es stichprobenhafte Kontrollen: Eine Schweizerin, die in New York ihren Geburtstag feiern wollte, wurde sechs Stunden befragt, musste ihr Smartphone herausrücken und ihre Accounts offenlegen. Am Ende landete sie in Ketten in einem Gefängnis in New Jersey und wurde schließlich abgeschoben. Offiziell treffen diese Durchsuchungen weniger als 0,01 Prozent der Einreisenden – die Zahl steigt allerdings seit Jahren an. 

Die weite Welt

Was in den USA im Einzelfall passiert, ist anderswo längst System: In Russland sind westliche Plattformen schon länger gesperrt. Kein Facebook, Instagram, X/Twitter, LinkedIn, Signal oder WhatsApp. Stattdessen gibt es den staatlichen Messenger MAX. In dessen Nutzungsbedingungen steht klar, dass Daten auf Anfrage an russische Behörden weitergegeben werden können. Aus Datenschutzsicht geht das gar nicht.

China hat mit dem PIPL (Personal Information Protection Law) sogar ein Gesetz, das fast wie die DS-GVO klingt. Allerdings schützt es Dich nur vor Firmen, kaum vor dem Staat. Der darf in der Volksrepublik praktisch alles mitlesen. Deswegen kommunizieren viele Chines:innen nicht offen, was sie denken.

Brasilien zeigt, dass es auch anders geht: Das Land hat seinen Datenschutz an der DS-GVO ausgerichtet. Seit Anfang 2026 erkennt die EU das LGPD (Lei Geral de Proteção de Dados) als gleichwertig an.

Was Du selbst tun kannst:

  • Nutze VPNs: In Europa kannst Du mit VPN-Apps Deine Verbindung verschlüsseln.
  • Richte es vorher ein: In der Türkei ist ein VPN legal, aber die Behörden sperren einzelne Anbieter – vor Ort kriegst Du die App oft nicht mehr installiert.
  • Hol Dir ein Zweithandy: In Russland oder China sind VPNs meist komplett blockiert. Lass vielleicht besser dein echtes Smartphone daheim.
  • Scroll durch Deine Posts: Nichts löschen (das wirkt verdächtig), aber sei Dir klar, was öffentlich sichtbar ist.
  • Limitiere Deine Berechtigungen: Apps aus datenschutzfernen Ländern wie China greifen oft mehr ab, als Du denkst.
  • Kenne Deine Rechte: Bei EU-Firmen kannst Du überall Auskunft und Löschung verlangen – auch im Ausland.

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