Altersverifikationssysteme: Der digitale Türsteher

Grafik eines kleinen Männchen Funkgerät
pixabay | peggy_marco

Wenn du in einen Club willst oder dir im Supermarkt Alkohol kaufen möchtest, entscheidet momentan noch ein Mensch, ob er dir dein angebliches Alter glaubt. Digital läuft es oft so, dass du gefragt wirst, wann du geboren wurdest oder ob du schon ein bestimmtes Alter hast, und du kannst hier einfach ein passendes Datum angeben, ohne dass du dich ausweisen musst. Das könnte sich bald ändern. Aber kannst du dem digitalen Türsteher deine Daten bedenkenlos anvertrauen?

Auch für bestimmte Online-Dienste und Social Media wird über eine Altersbeschränkung nachgedacht, sodass man sie z. B. erst ab 14, 16 oder 18 Jahren nutzen darf. Damit man hier nicht einfach bei der Anmeldung „flunkern“ kann, sollen Altersverifikationssysteme dein tatsächliches Alter möglichst verlässlich bestimmen. In Australien ist es für Meta, TikTok und Co. seit Dezember 2025 Pflicht, diese Überprüfung durchzuführen und dabei möglichst keine Fehler zu machen.

Da beim digitalen Altersnachweis an irgendeiner Stelle dein tatsächliches Alter festgestellt werden muss, wird hier mit sehr sensiblen Daten gearbeitet. Es gibt verschiedene Verfahren, die z. T. schon von den Diensten angewendet werden oder zukünftig kommen sollen.
 

Bereits jetzt gibt es die Möglichkeit, seinen Ausweis hochzuladen, der dann meistens noch auf einem zweiten Weg – zum Beispiel einem kurzen, automatisierten Videoanruf – überprüft wird. Dieses Überprüfen nennt man auch Verifizieren. Hierbei werden also deine echten Ausweisdaten, dein biometrisches Passbild, Name, Geburtstag, Geschlecht und auch die Ausweisnummer selbst verarbeitet. Im besten Fall werden sie danach sofort wieder vom Dienst gelöscht und nur gespeichert, dass du das Kriterium „alt genug zur Nutzung des Dienstes“ erfüllst. Manche Dienste verwenden hierfür daher zwischengeschaltete Anbieter, die nur diese Aufgabe haben.

Eine weitere Möglichkeit ist die Altersschätzung durch eine KI, die anhand von Fotos und Videos von dir, die du hochlädst, dein ungefähres Alter schätzt. Auch das Analysieren deiner Texte, wie du schreibst und für welche Themen du dich interessierst, wem du folgst, kann einen Rückschluss auf dein ungefähres Alter geben. Hierbei werden zwar keine Ausweisdaten von dir benötigt – vielleicht hast du auch noch gar keinen digital lesbaren Ausweis –, dafür werden aber deine biometrischen Daten (Gesicht, Stimme) analysiert. Außerdem ist das Verfahren ungenau, also kann die KI-Schätzung schon mal danebenliegen, ob du 15 oder 17 Jahre alt bist. In diesem Fall musst du dann oft als zweites Verfahren doch noch ein offizielles Ausweisdokument hochladen.

Noch in der Entwicklung ist ein drittes Verfahren, das sehr genau und datensparsam ist: ein digitales „Wallet“. Beim European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) identifizierst du dich; diese Information wird dann in deinem Smartphone gespeichert. Technisch läuft das Verfahren so ab, dass eine Anwendung auf deinem Smartphone mit einem Ausweisdokument von dir dein genaues Alter mitgeteilt wird. Diese speichert die Information dann lokal auf dem Gerät, dein Alter und Name landen also nicht in irgendeiner Cloud. Fragt dann ein Social-Media-Dienst dein Alter ab, übermittelt diese Anwendung nur ein „Ja“ oder „Nein“. Hast du selbst noch kein digitales Ausweisdokument, soll es auch möglich sein, dass deine Eltern diese einmalige „Freischaltung“ für dich mit ihrem Ausweis vornehmen können. Auch denkbar ist, dass deine Schule, die deine Daten ja auch kennt, ein Zertifikat ausstellt, mit dem du dich in der Wallet-App verifizieren kannst. Ein solches Vorgehen nennt man „double blind“, da weder der Identifizierer, also die Stelle, die dich freigeschaltet hat, erfährt, welche Dienste du damit nutzt, noch erfahren die Dienste, die aufgerufen werden, wer die Person ist, die gerade ihre Seite besucht.

Ein anonymes digitales Altersverifikationssystem könnte dir übrigens nicht nur für den Zugang zu digitalen Social-Media-Diensten ermöglichen. Wenn du an der Kasse etwas kaufst und dem Verkäufer bisher noch deinen Ausweis zeigen musst, könnte er nicht nur beim Suchen nach dem Datum leicht auch deinen Namen und Geburtstag aufschnappen, sondern beim Umdrehen der Karte schnell auch deine Größe, Augenfarbe und Adresse. Das ist dir vielleicht auch nicht immer recht, und es würde dir genügen, wenn du ihm einen QR-Code vorhalten könntest, der beim Scannen ein „Ja“ oder „Nein“ anzeigt.

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