Zehn Sekunden für einen Hit
KI-Musik-Generatoren gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Die Versprechen klingen gut: „Klone deine Stimme“, „Erstelle einen Hit“ und „Geh viral auf Social Media“. Vielleicht hast du Werbung dafür auf Instagram gesehen oder ein Tutorial auf TikTok.
Wer dahintersteckt, ist oft schwer zu erkennen. Mal ist es eine Firma in Hongkong, mal eine Privatperson in Istanbul. Die Datenschutzerklärungen machen unterschiedliche Angaben, was mit deiner Stimme passiert – oder sagen gar nichts dazu. Alle drei Apps, die wir für diesen Artikel angeschaut haben, darf man laut ihren eigenen Regeln erst als Teenager benutzen – im App Store sind sie aber schon ab 4 Jahren verfügbar. Suno Voices setzt ein Mindestalter von 18 Jahren voraus. Das macht Sinn, denn deine Stimme ist ein sensibler Datenpunkt.
Deine Stimme ist wie dein Fingerabdruck
Sie verrät mehr als das, was du sagst: Alter, Stimmung, Herkunft, manchmal sogar deine Gesundheit. Fachleute zählen sie deshalb zu den biometrischen Merkmalen wie Gesicht oder Fingerabdruck.
Trotzdem würdest du gerne ausprobieren, wie ein Song mit deiner Stimme klingt? Dann finde vorher heraus, was nach dem Hochladen mit deiner Stimme passiert. Der Musikdienst Suno trainiert seine KI mit hochgeladenen Aufnahmen und speichert Stimmmodelle bis zu drei Jahre auf Servern in den USA. Die Klon-App SingUp aus Asien verliert darüber kein Wort.
Auch mit KI-Assistenten kannst du sprechen – und gibst ihnen dabei deine Stimme. ChatGPT löscht die Aufnahme meist nach dem Umwandeln in Text. Bei Gemini liegen deine Aufnahmen 18 Monate im Aktivitätsverlauf, wenn du ihn nicht abschaltest. Claude sagt gar nicht, was mit der Audiodatei passiert. Und Grok schreibt ausdrücklich, die Nutzer:innen sollen bitte keine biometrischen Daten bereitstellen – obwohl man mit der KI ja offensichtlich sprechen kann.
Wenn andere mit deiner Stimme sprechen
Jetzt fragst du dich vielleicht: Was kann mit meiner Stimme passieren, wenn sie in fremde Hände gerät? An einer Schule bei Baltimore tauchte 2024 eine Aufnahme auf, in der ein Schulleiter rassistisch und antisemitisch über Schüler:innen sprach. Der Rektor wurde suspendiert, dann stellten die Ermittler fest: Die Stimme war per KI gefälscht. Dahinter steckte der Sportdirektor, der sauer auf seinen Chef war.
Oft reichen ein paar Sekunden aus einem TikTok-Video, um eine Stimme zu klauen. Verbraucherzentralen warnen vor Anrufen, bei denen eine vertraute Stimme um Geld bittet – der sogenannte Enkeltrick. Auch die Moderatorin Collien Fernandes wirft ihrem Ex-Mann vor, ihre Stimme geklont zu haben. Er bestreitet das, die Ermittlungen laufen.
In Deutschland ist das Fälschen einer Stimme bisher nur selten strafbar. Ein neuer Gesetzentwurf soll das ändern. Künftig können bis zu zwei Jahre Haft drohen, wenn man „fingierte Stimmaufnahmen“ weitergibt und sie dem Ruf einer Person schaden können. Beschlossen ist das Gesetz noch nicht.
Das kannst du tun
- Schau in die Datenschutzerklärung. Steht da etwas zu deiner Stimme?
- Prüfe, wer die App betreibt. Steht das nirgends, hast du deine Antwort.
- Alte Sprachaufnahmen kannst du im Aktivitätsverlauf löschen.
- Vereinbart in der Familie ein Codewort für Notfälle. Dann haben Enkeltrickser keine Chance.
Lade nie die Stimme anderer hoch.
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