Snapchat-KI nutzt deine persönlichen Daten für Werbung

Ein Handy liegt auf einem Tisch. Auf dem Handy ist der App-Store offen und da die Snapchat App als downlaod. Hinter dem Handy guckt der Snapchat Geist raus und lauscht mit seinem Ohr mit.
Bild von Canva AI generiert

Du nutzt Snapchat und hast vielleicht schon einmal mit dem KI-Chatbot „My AI“ geschrieben? Ob Fragen zu deinen Hausaufgaben, Tipps bei Liebeskummer oder einfach ein bisschen Small Talk: Die KI antwortet auf fast alles. Doch was passiert eigentlich mit den Informationen, die du ihr anvertraust? Ein Gericht hat jetzt entschieden, dass Snapchat persönliche Daten aus solchen Gesprächen rechtswidrig für Werbung verarbeitet hat.

 

Deine Nachrichten werden zu Werbedaten

Der KI-Chatbot „My AI“ ist direkt in Snapchat integriert und funktioniert ähnlich wie ChatGPT. Du kannst ihm Fragen stellen, Bilder schicken oder persönliche Dinge erzählen. Dabei können auch besonders sensible Informationen über dich zusammenkommen, beispielsweise über deine Gesundheit, Religion oder sexuelle Orientierung.

Genau diese Informationen aus dem Chat hat Snapchat nach den Feststellungen des Landgerichts Köln ohne ausreichende Rechtsgrundlage für personalisierte Werbung verwendet. Das bedeutet, dass deine Gespräche mit der KI Einfluss darauf hatten, welche Werbeanzeigen dir angezeigt wurden. Von wegen, was ich der KI erzähle, bleibt privat.

 

Gericht stellt Datenschutzverstöße fest

Vor der ersten Nutzung von „My AI“ informierte Snapchat zwar darüber, dass eingegebene Informationen unter anderem zur Personalisierung von Werbung verwendet werden können. Eine ausreichende Einwilligung holte das Unternehmen dafür aber nicht ein, meinte der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv e.V.) und hatte gegen Snapchat geklagt. Am 17. September 2026 entschied das Landgericht Köln zugunsten der Verbraucherschützer, dass die Erhebung der Daten über den Chatbot rechtswidrig sind. 

Das Gericht stellte fest, dass Snapchat die Anforderungen nach einer informierten Einwilligung nicht erfüllt hatte. Besonders problematisch ist das, weil die App bereits von Jugendlichen ab 13 Jahren genutzt werden darf und wahrscheinlich auch noch von jüngeren Kindern genutzt wird.

 

Werbung für Alkohol und Glücksspiel

Neben der Verarbeitung persönlicher Daten kritisierte das Gericht auch die Werbeeinstellungen von Snapchat. In der App waren verschiedene Werbekategorien bereits aktiviert, darunter auch Alkohol und Glücksspiel. Diese Einstellungen waren sogar bei minderjährigen Usern voreingestellt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Snapchat hat angekündigt, dagegen vorzugehen.

 

Was kannst du jetzt dagegen tun?

  • Auch wenn du „My AI“ nur gelegentlich verwendest, solltest du darauf achten, welche Informationen du mit dem Chatbot teilst.
  • Diese Tipps helfen dir, deine Daten zu schützen:
  • Teile keine sensiblen Informationen: Angaben zu deiner Gesundheit, deinen Beziehungen oder anderen sehr persönlichen Themen solltest du einem KI-Chatbot nicht leichtfertig anvertrauen.
  • Überprüfe deine Werbeeinstellungen: In den Snapchat-Einstellungen kannst du unter „Anzeigenpräferenzen“ nachsehen, welche Optionen aktiviert sind.
  • Lösche deine Chatdaten: Über die Datenschutzeinstellungen kannst du gespeicherte Daten aus deinen Gesprächen mit „My AI“ löschen.

 

Hinterfrage generell KI-Chatbots: Auch wenn sich eine KI wie ein Freund verhält, ist sie kein privater Gesprächspartner. Hinter ihr steht ein Unternehmen, das deine Eingaben benutzt, um dir beispielsweise passende Werbung anzuzeigen. Im Hintergrund erledigt KI auf Social Media noch viel mehr als du nicht siehst. Sie bewertet, sortiert und wählt die Posts aus, die dir angezeigt werden. Das bedeutet, dass in deiner FYP nicht nur erscheint, was du likest, teilst und kommentierst. Sondern die KI-Modelle der Apps entscheiden aufgrund der Informationen, die du ihnen gegeben hast, welcher Content dir angezeigt werden soll und beeinflussen dich so in deiner Meinung.

 

Was bedeutet das Urteil für die Zukunft?

Das Urteil zeigt, wie wichtig Datenschutz gerade bei KI-Chatbots ist. Denn je persönlicher die Gespräche werden, desto sensibler können auch die gesammelten Informationen sein. 

Deshalb ist es so wichtig, dass Institutionen wie der Verbraucherzentrale Bundesverband oder die Datenschutzaufsichtsbehörden darauf drängen, dass Plattformen ihre Dienste von Anfang an datenschutzfreundlich und sicher gestalten. Und das auch notfalls über ein Gericht klären lassen, wie jetzt bei Snapchat. 

Für dich bedeutet das vor allem: Überlege dir gut, was du einer KI erzählst. Denn nur weil sie freundlich antwortet, bleiben deine Informationen nicht privat. Vielleicht ist ein Gespräch mit der besten Freundin/dem besten Freund, Eltern, Geschwistern oder anderen Bezugspersonen von dir doch besser. Sie können ein Geheimnis für sich behalten. 

Mehr zu "Künstliche Intelligenz" und "Social Media"